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A k t u e l l

Aktuelles aus der Werkstatt  (1.9.2026) 
Auf die Perseiden ist wenigstens noch Verlass!
Um es vorwegzunehmen: Die Sonnenfinsternis am 12. August fiel bei mir  wegen kurzzeitig aufziehender Horizontbewölkung aus, die Mondfinsternis am 28. August infolge eines durchziehenden paneuropäischen Regenbandes. Es gab jedoch im Zuge des Jahrhundertsommers trotz kurzer Nächte einige klare Sternstunden, die ich nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte: 
Komet Tempel 2, dem ich bereits Ende Juli auf den Fersen war, hatte mittlerweile seine beste Sichtbarkeit leider hinter sich. Seine Maximalhelligkeit war bereits überschritten, die Horizontdistanz inzwischen in unseren Breiten "grottenschlecht". Bei realistischer Betrachtung schied der also schon mal aus. Aber da waren ja noch der Sternschnuppenstrom der Perseiden und ein Komet namens 220P/McNaught am Osthimmel, der ganz außer der Reihe  am 9. August einen Helligkeitsausbruch durchmachte und sich so unerwartet zurückmeldete. Für mich bestand der Heimvorteil diesmal darin, dass keine Milseburg die Sicht versperren würde, und sich beide Projekte gut miteinander verbinden ließen, erkauft allerdings durch den Verlust einiger Stunden Schlaf, denn die beste Sichtbarkeit lag zwischen Mitternacht und Morgengrauen in der 33. Kalenderwoche. Dafür störte aber auch kein Mondlicht.
Erfahrungsgemäß waren die Perseiden jedes Jahr sehr hell, zahlreich und schnell und über ein großes Himmelsareal verteilt. Um sie fotografisch zu erfassen, eignete sich insbesondere  eine Kamera mit großem Gesichtsfeld, die außerdem viele kurz belichtete Einzelaufnahmen ermöglichte und daher keine Nachführung benötigte. Eine programmierbare Intervallsteuerung wäre zudem ausgesprochen nützlich. Das war also ein Fall für meine EOSM200a + 15 mm Objektiv. Wenn ich von dem Kometen allerdings mehr als einen grünen Punkt auf dem Foto sehen wollte, kam ich an einem lichtstarken Fernrohr mit deutlich mehr Brennweite nicht vorbei. Da musste schon der "RASA" ran. Der erforderte allerdings eine präzise Nachführung mittels parallaktischer Montierung. Um für diese einen passenden Standort zu finden, machte ich einen Tag bevor es "ernst" wurde, einige Testaufnahmen mit dem vorgenannten Instrumentarium. Auf diese Weise konnte ich ohne großen Aufwand den Kometen als "grünen" Punkt am Himmel genauer lokalisieren und so die Frage nach dem optimalen Fernrohrstandort unter Berücksichtigung evtl. Sichtbehinderungen klären.
Damit sind wir auch schon beim ersten Foto, das fast wie "arrangiert" aussieht. Doch hier waren weder Komet noch Sternschnuppe mit bloßem Auge sichtbar. Während das Kreuzen des Bildfeldes durch eine Sternschnuppe tatsächlich seltener ist, sind Flugzeuge, Drohnen und Satelliten regelmäßige "Störenfriede". Derzeit befinden sich allein 11000 Star-Link-Satelliten (geplant: 40000) im erdnahen Orbit (Höhe ~550 km, Umlaufzeit ~90 min, Gewicht ~800 kg). Täglich verglühen in der Erdatmosphäre 1 - 2 davon. Angedacht für das Folgeprojekt ist eine Anzahl von 1 Mio (!) Satelliten bei einer Stückmasse von 2 t und einer Spannweite der Solarpanels von 60 m ... Was mag das erst für "Nebenwirkungen" geben?
Bild
 Komet 220P/McNaught am 12.8.26  3h37  Helligkeit: ~mag 6.5
die regenbogenfarbige Strichspur gehört zu einem Perseiden, die beiden violetten Strichspuren sind Star-Link-Satelliten 
jpg-Einzelbild zu 30sec  ISO6400  mit EOSM200a durch 203/400 mm RASA + Breitbandfilter, nachbearbeitet mit Photoshop

zu den Entfernungsverhältnissen im Bild: E der 3 hellsten Sterne > Sonnensystem  ~1 Brd km, E des Kometen > Erde ~180 Mio km,
Höhe der Satelliten > Erdoberfläche: ~550 km, Höhe des Perseiden > Erdoberfläche: ~100 km
Zwei Tage später bot Komet 220P/McNaught, hier etwas vergrößert und aus 82 Einzelaufnahmen  gestackt, diesen Anblick:
Bild
Komet 220P/McNaught am 14.8.26  3h30 
82 jpg-Einzelbilder zu je 30sec Belichtungszeit bei ISO6400 mit 203/400 mm RASA + EOSM200a + Breitbandfilter
gestackt mit DSS, Nachbearbeitung mit PS + plugins und Fitswork 

Der australische Astronom Robert H. McNaught entdeckte am 20. Mai 2004 den Kometen 220P auf CCD-Aufnahmen des Siding Spring Observatory. Dieser zur  Jupiterfamilie zählende Komet, der die Sonne alle 5,5 Jahre umkreist, war seinerzeit etwa mag 18 hell. Am 14. Juni 2026 durchlief er den sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Schon da wurde ein Helligkeitsausbruch beobachtet, der jedoch wieder vorüberging: Ende Juli war McNaught nur noch mag 13 hell. Am 5. August brach er erneut aus und steigerte seine Helligkeit schlagartig um das 700-fache auf ~mag 6. Über die Ursache der Helligkeitszunahme lässt sich derzeit nur spekulieren. Gegenwärtig sieht es so aus, als ob die Helligkeit langsam  wieder zurückgeht.
In keinem Falle konnte ich den Kometen mit bloßem Auge oder im Fernglas als solchen erkennen. Dominiert wurden die warmen Beobachtungsnächte nach Mitternacht vielmehr von den geräuschlos vom Sternenhimmel "regnenden" Perseiden: Helle und weniger helle, aber meistens sehr schnelle Sternschnuppen, verteilt über den ganzen Horizont, manchmal mit einem Funkenregen oder einem Lichtblitz wie dieser hier ihr kurzes Dasein beendend:
Bild
Perseidenmeteor 13.8.26  3h45
rechts mit den offenen Sternhaufen der Plejaden (oberer Bildrand) und der Hyaden (darunter) mit ihrem Hauptstern Aldebaran
hellster Stern links im Bild: Capella
jpg-Einzelbild aufgenommen mit EOSM200 + 15 mm Objektiv 1:3.5 ISO6400 t=10sec
nachbearbeitet mit PS + plugins sowie fitswork

Resümee: Beobachtungsmäßig gesehen war das "Sommerloch" eigentlich gar nicht so schlecht. Schließlich hatten wir ja auch gute Akteure!
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